Sylturlaub 2014 | Fotografie

Eigentlich wollte ich den Blog hier ja mehr oder weniger privat-frei halten. Aber nachdem ich jetzt gerade meine dreimonatige Schreibpause gebrochen habe, kann ich zumindest teilweise auch diesen Vorsatz beiseite schieben.

Denn während meine „Online-Zeit“ in den letzten Wochen für die Umgestaltung meines anderen Projekts und der Füllung desselben mit mehr Schreibinhalten draufgegangen ist, war ich auch in der realen Welt ein paar Tage abtrünnig. Sylt hieß das Ziel eines Kurzurlaubs, aus dem ich neben einem leichten Sonnenbrand und haufenweise Sand in den Schuhen auch ein paar Fotos mitgebracht habe.

Dabei war die Ausgangslage nicht sonderlich günstig. Das Weitwinkelobjektiv kann aufgrund eines Defekts nur bis Blende 5 abgeblendet werden (was mir erst 3 Tage vor dem Urlaub wieder einfiel, womit eine Reparatur zeitlich nicht mehr gepasst hätte), der Polfilter war nicht in der Fototasche sondern lag daheim in der Schublade (was mir pünktlich zum ersten Wolkenfoto am Urlaubsort auffiel) und das stabile Stativ war mir mit rund 4,5kg zu schwer, um es im Zug mitzuschleppen (was einiges über meine körperliche Verfassung und meine Faulheit aussagt). Und dann kam auch noch das norddeutsche Wetter hinzu. 8,5 von 9 Tagen blieb es zwar trocken, die Sonne kam aber auch nicht immer zum Vorschein. Andererseits gehört solch ein Wetter nunmal zur rauen Küste und die gedeckten Farben haben auch ihren Reiz.
Deshalb hieß die Devise: Keine ernsthafte Fotografie, sondern Erinnerungsfotos. Die gute alte EOS 40D ist handlich genug, um die meiste Zeit im Rucksack mitgeschleppt zu werden. Darin lagen auch noch Festbrennweiten von 200mm und 50mm sowie das Tokina 12-24 f4 mit dem erwähnten Fehler.

Vor allem das Teleobjektiv hat mir bei einem Motiv treue Dienste geleistet: Dem lieben Federvieh. Möwen sind nicht besonders bunt oder grazil, aber trotzdem mag ich sie, weil sie den passenden Soundtrack zu einem gelungenen Meerurlaub liefern.
Glücklicherweise gibt es auf der Westseite Sylts die Buhnen am Strand, auf denen sich die Vögel bei Nicht-Flut gerne niederlassen, um Seetang oder Meeresgetier abzuknabbern und sich auszuruhen. Auch mit 200mm Brennweite muss man einigermaßen nah rangehen, um die Möwen halbwegs formatfüllend zu erwischen. Dankenswerterweise waren die wenigsten Exemplare allzu schreckhaft, weshalb mir dieses recht schöne Foto von einer gerade gelandeten Möwe gelungen ist.

Eine Gummiadler auf einer Buhne vor Wenningstedt, Sylt. | 200mm | f3.2 |1/4000 | ISO 100
Eine Gummiadler auf einer Buhne vor Wenningstedt, Sylt. | 200mm | f3.2 |1/4000 | ISO 100 (Klicken für größere Ansicht)

Wo Möwen sind, da dürfen Wellen nicht fehlen. Das Problem ist, dass man ohne einen maßstabgebenden Gegenstand im Bild meist nur schwer einschätzen kann, wie groß die Wellen in Wahrheit waren. Von einem wirklich starken Sturm blieb Sylt (in diesem Fall: leider) verschont, weshalb eine aufgewühlte See nicht den Weg auf meine Speicherkarte finden konnte. Deshalb habe ich zumindest versucht, die etwas größeren Wellen in ihrer Struktur und ihrem Farbenspiel einzufangen. Der Bruch ist immer wieder faszinierend.

Welliges Wasser. Nicht besonders hoch, dafür schön.| 200mm | f 3.2 | 1/3200 | ISO 100
Welliges Wasser. Nicht besonders hoch, dafür schön.| 200mm | f 3.2 | 1/3200 | ISO 100 (Klicken für größere Ansicht)

Nächster Punkt im „gelungener Meerurlaub“-Menü: Leuchttürme. Es gibt auf Sylt ganz oben am Ellenbogen einen schönen roten Leuchtturm. Leider war das Wetter am Tag des Ausflugs zu ebendiesem nicht besonders und außerdem war der Leuchtturm wegen Sarnierungsarbeiten eingerüstet. Da ich dennoch nicht auf ein Foto von solch einem Bauwerk verzichten wollte, musste der Leuchtturm von Kampen herhalten. Der hat „nur“ einen schwarzen Farbstreifen, aber dennoch seinen Reiz. Auf dem Rückweg von der Ellenbogen-Radtour kam ich an einem Feld vorbei, vor dem wiederum violette Blumen blühten. Deshalb hieß es dort kurz Rast machen, sich ins Gebüsch zu werfen und zu hoffen, dass das Foto etwas wird.

Der Kampener Leuchtturm und viel "Grün"zeug davor.  | 50mm | f4 | 1/2000 | ISO 100
Der Kampener Leuchtturm und viel „Grün“zeug davor. | 50mm | f4 | 1/2000 | ISO 100 (Klicken für größere Ansicht)

„Macht der Leuchtturmwärter seinen Job nicht richtig, gibt’s am nächsten Tag kaputte Schiffe“. Diese (mutmaßlich von mir frei erfundene) Schifferweisheit bewahrheitet sich auf Sylt, den knapp 100 Meter vor Braderup liegt dort ein Schiffswrack im Wattenmeer. Genaugenommen wurden die Überreste des Dreimasters vor einigen Jahrzehnten (wohl des Tourismus‘ wegen) dorthin geschleppt, nichtsdestotrotz macht es einen Heidenspaß, durch den Matsch dorthin zu waten und zu schauen, was das Meer von dem Rumpf noch übrig gelassen hat.

Hier noch aus sicherer Entfernung eingefangen: Das Schiffswrack vor Braderup. | 50mm | f8 | 1/320 | ISO 100
Hier noch aus sicherer Entfernung eingefangen: Das Schiffswrack vor Braderup. | 50mm | f8 | 1/320 | ISO 100 (Klicken für größere Ansicht)

Man sollte nur zusehen, dass man schleunigst wieder an den Strand kommt, wenn die Flut einsetzt, denn das Wasser steigt im Wattenmeer tatsächlich verflixt schnell. Hat man aber erstmal wieder trockenen Boden unter den Füßen, kann man sich auf die bequemen Seiten des Lebens konzentrieren. Strandkörbe zum Beispiel. Am letzten Tag des Urlaubs hieß es noch auf den Zug warten. Das wurde am Strand von Westerland erledigt, vor dem es eine erhöhte Promenade gibt. Von dort habe ich einfach mal buchstäblich ins Blaue hinein geknipst. Das dabei entstandene Foto sieht zwar in Farbe auch schon nett aus, mit ein bisschen Nachbearbeitung hat es mir in monochrom dann aber doch um einiges besser gefallen. Ich habe einerseits versucht, keine Personen erkennbar aufzunehmen, da das am Strand immer so eine Sache ist. Andererseits wollte ich möglichst viele leere Strandkörbe im Bild haben, da mir das Streifenmuster gut gefallen hat.

Eine Strandszene in schwarz-weiß. | 12mm | f5 | 1/500 | ISO 100
Eine Strandszene in schwarz-weiß. | 12mm | f5 | 1/500 | ISO 100 (Klicken für größere Ansicht)

Menschenleer ist auch das Stichwort für das letzte Bild. Denn am Vorabend der Abreise galt es, den Strand von Wenningstedt, dem eigentlichen Urlaubsort, zu verabschieden. Während man es sich also zeitlich passend zum Sonnenuntergang auf der Düne gemütlich gemacht hat, zog sich der Himmel ziemlich schnell zu. Das führte einerseits zu einer tollen Lichtstimmung, andererseits zu Massenwanderungen, weil die Menschen fluchtartig Strand und Dünenweg verließen. Grund dafür war vor allem ein imposantes Wolkenband, dass sich vom Land her auf das Meer hinauszog. Ein guter Zeitpunkt, um sich an einem Panorama zu versuchen. Mangels Stativ musste das freihändig geschehen. Das Ergebnis kann sich dafür sehen lassen, auch wenn die Wolke auf dem Bild technisch bedingt nicht ansatzweise so bedrohlich aussieht, wie vor Ort.

Wolkig mit Aussicht auf das Meer. | Panorama aus 10 Einzelbildern bei 12mm
Wolkig mit Aussicht auf das Meer. | Panorama aus 10 Einzelbildern bei 12mm (Klicken für größere Ansicht)

Alles in Allem ist Sylt ganz klar eine Empfehlung für alle, die es im Urlaub eher ruhiger mögen und den Trubel einer Großstadt (oder einer Kleinstadt [oder eines größeren Ortes {oder eines mittelgroßen Ortes}]) nicht brauchen. Jedenfalls dann, wenn man sich eine Unterkunft jenseits von Westerland sucht, denn das ist für Inselverhältnisse die Metropole, inklusive Bettenburgen und Shoppingmeilen.

Da der Beitrag noch ewig so weitergehen könnte, er aber schon jetzt eine ordentliche Länge aufweist, habe ich die restlichen Bilder via Galerie angehängt, durch die man sich bei Bedarf gerne durchklicken darf. Ich empfehle dafür dringenst die passende Beschallung:

3 Kommentare

    1. Ich bitte um die Streichung von „dabei“. 😉
      Das Bloggen war ja nie gestrichen, hat sich thematisch und webseitenmäßig wie gesagt nur etwas verlagert. Aber ich habe noch ein paar halbfertige Film- und Serienpostings in petto, es wird also in Zukunft wieder zahlreiches und qualitativ höchst Gehaltvolles kommen. 😉

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