The 5th Quarter | Film

Mir war am Abend nicht nach einem langen und komplizierten Film. Die 89 Minuten Spielzeit des gerade erst aus den USA eingeflogenen „The 5th Quater“ kamen da wie gerufen, auch wenn das auf wahren Ereignissen basierende Drama keine leichte Kost versprach. Aber was dann über den Bildschirm flimmerte, war doch einigermaßen ernüchternd…

Jon (Ryan Merriman) mit im Wake Forest - Jersey mit der Nummer seines toten Bruders | Quelle: The 5th Quarter DVD / 20th Century Fox
Jon (Ryan Merriman) im Wake Forest – Jersey mit der Nummer seines toten Bruders | Quelle: The 5th Quarter DVD / 20th Century Fox

Hintergrund der Geschichte ist die 2006er Saison der Wake Forest Demon Deacons, die anfangs von Fachleuten und Presse als schwächstes Team in ihrer Conference gesehen werden. Gleichzeitig wird eine Nebengeschichte um den Starlinebacker Jon Abbate erzählt, der den Tod seines kleinen Bruders verarbeiten muss. Die Story an sich ist rührend und erinnert an die Tragöde an der Marshall University, die in „We are Marshall“ verfilmt wurde. Aber schon hier zeigt sich die erste Schwäche des Films. Er kann sich nicht entscheiden, welche der beiden Geschichten er nun erzählen will und wurschtelt sich an beiden ab. Die Familientragödie steht dabei im Vordergrund, der Footballhandlungsstrang steht komplett daneben und wird ohne Spannung runtererzählt. Man kann noch entfernt vermuten, was für eine Geschichte da eigentlich erzählt werden will, aber das Lesen des Wikipedia-Artikels dürfte spaßiger sein. Ein mehr oder weniger bemühter christlicher Gottesglaubentouch kommt dann auch noch hinzu.
Das alles lässt einem trotz der Thematik keinen Raum, um irgendwelche Empathie aufkommen zu lassen oder in irgendeiner Weise von den Geschehnissen berührt zu werden.

Das allein trübt den Filmgenuss schon, aber was sich Rick Bieber (Schreiber, Producer und Regiesseur in Personalunion) inszinatorisch und drehbuchmäßig geleistet hat, kann man nur noch als katastrophal beschreiben. Der Film springt wild von Szene zu Szene (von denen einige völlig überflüssig sind), nichts wird großartig weiterentwickelt und ein Zusammenhang ist teils auch nur schwer zu erkennen. Charaktere werden nicht vorgestellt, sind dann stereotyp und furchtbar schlecht besetzt mit Schauspielern, die mit ihrer Leistung durch jedes Telenovela-Casting durchfallen würden. Obendrauf kommt ein Haufen Kitsch, der durch das omnipräsente Hintergrundmusik- geplärre (inhaltich passende Lyrics inklusive) seinen Höhepunkt erfährt.
Auch rein filmtechnisch kommt „The 5th Quarter“ nicht ansatzweise an eine halbwegs zumutbare Kinoproduktion heran: Sowohl bei den Footballszenen als auch bei den restlichen Bildern scheint oft irgendjemand mit seiner Handykamera gefilmt zu haben, Tiefenunschärfe gibt es nicht und wechselt die Szene aus der Spiels- in eine Dialogszene, erkennt man auf den ersten Blick, dass da zwei völlig verschiedene Stile verwendet wurden.

Insgesamt quält man sich durch die kurze Laufzeit durch und kann den Abspann eigentlich nicht erwarten. Nicht, dass man aus diesen Tragikgeschichten mit Sportkomponenten noch allzu innovatives Kino zaubern könnte, aber so ein Machwerk hat niemand verdient.
Von mir gibt’s aufgerundet noch 2/10 Punkten.

Der FiFF:
Die Footballthematik tritt hinter die Tragikgeschichte zurück und der äußerst schwache Stil des Film macht vor den Footballszenen leider nicht Halt. Schon die Screentime der Szenen, in denen man tatsächlich Football sieht, verlässt den einstelligen Minutenbereich nicht und was man da sieht, ist grausam. Es wurde hautpsächlich erhöht aus der Endzone gefilmt, Nahaufnahmen beschränken sich auf ein Minimum und technisch sieht das Ganze aus, als ob man irgendwelche TV-Aufnahmen von Wake Forest-Spielen wahllos aneinandergereiht hätte. Ich bin mir gar nicth sicher, ob das nicht tatsächlich gemacht wurde. „Wahllos“ ist dabei wörtlich zu nehmen, denn es werden irgendwelche Szenen gezeigt, die wohl das Spiel zusammenfassen sollen, aber keinerlei Beziehungen zu der Geschichte haben. Immerhin sehen die gezeigten Spielzüge und Szenen bis auf wenige Ausnahmen realistisch aus, ein Tackle ist ein Tackle und beim Hit fliegt der Spieler nicht im Salto durch die Luft. Jedes Highlighttape auf Youtube macht aber wohl mehr Spaß.
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2 Kommentare

  1. Also der schlechteste Footballfilm aller Zeiten ist und bleibt „All things fall apart“.
    Von und mit 50 Cent. Vor allem in englisch…denn da versteht man einfach gar nichts.
    Klingt zwar banal, aber ich habe mich so aufgeregt, dass 50 Cent bei Portraitaufnahmen einen Riddell Speed Helm auf hat und wenn Spielszenen gezeigt werden, auf einmal einen Riddell Revolution.

    Grüße

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