The Darjeeling Limited | Film

Runde drei für mein Vorhaben, alle Wes Anderson Filme zu sehen. Eine feste Reihenfolge gibt es nicht, weswegen nach dem 2012er Moonrise Kingdom zunächst Die Tiefseetaucher aus dem Jahre 2004 folgte. Jetzt stand also „(The) Darjeeling Limited“ aus 2007 auf dem Programm.

In so einem indischen Zug gibt's nicht viel Platz. Francis, Peter und Jack steigen sich deshalb nicht nur buchstäblich auf die Füße. | Quelle: Darjeeling Limited DVD / FOX
In so einem indischen Zug gibt’s nicht viel Platz. Francis, Peter und Jack steigen sich deshalb nicht nur buchstäblich auf die Füße. | Quelle: Darjeeling Limited DVD / FOX

Der Film beginnt wie man es von Anderson gewohnt ist: urkomisch. Ein Mann wird von einem Taxifahrer im Höllentempo durch eine kleine indische Stadt zum Bahnhof kutschiert. Dort verpasst er den Zug, den dafür ein anderer Reisender gerade noch so erwischt. Dieser hört auf den Namen Peter (Adrien Brody) und trifft im Zug auf seine Brüder Francis (Owen Wilson) und Jack (Jason Schwartzman). Das Trio hat trotz erstem Verwandtschaftsgrad seine Probleme miteinander, die es auf der folgenden Zugfahrt zu lösen gilt…

Kennt man einen Anderson, kennt man alle. Das gilt jedenfalls im Bezug auf das Handwerkliche für die bereits genannten Machwerke. Auch in „The Darjeeling Limited“ gibt es wieder haufenweise Kamerafahrten, 90 Grad-Kameraschwenks, frontal in die Kamera schauende Schauspieler und Weitwinkeleinstellungen, die von Zooms auf Details aufgebrochen werden. Altbewährtes im Besten Sinne und für mich nach wie vor nicht langweilig. Jedes Bild ist detailreich durchkomponiert, nichts wird dem Zufall überlassen und die Farben von Vorder- und Hintergrund passen der Aussage entsprechend immer zusammen oder bilden einen Kontrast.

Auch die Geschichte erinnert an die anderen Filme. Peter, Jack und Francics begeben sich auf eine Zugfahrt, im Verlauf derer sie sich ihren zwischenmenschlichen Problemen und ihrern Beziehungen zueinander, zur lieben Familie und zu den Freundinnen stellen müssen. Gerade das Verhältnis zum Vater wird wiedereinmal thematisiert und ich wiederhole mich: Es scheint, als ob Wes Anderson da irgendetwas aufarbeiten möchte. Solange er dies allerdings so toll wie bisher macht, habe ich auch mit den teilweisen Parallelen zu seinen anderen Geschichten absolut kein Problem.

Denn auch hier hat er damit wieder einen Film geformt, der zwar stellenweise etwas schwerfällig daherkommt und mit einem merkwürdigen Knick hin zum ernsthaften Drama aufwartet, insgesamt aber als gelunger Wohlfühlfilm durchgeht. Das anderson-typische Märchenhafte ist zwar vorhanden, wurde aber im Vergleich zu den oben genannten Filmen stark zurückgefahren. Es gibt nach wie vor höchst skurrile Situationen, Dialoge und Charaktere, die Handlung ist jedoch ernsthafter, sodass hier das „Tragik“ in „Tragikkomödie“ betont wird. Das ist nicht schlecht, diese Leichtigkeit, die selbst „Die Tiefseetaucher“ hatte, bietet der Film über aber nicht immer.

Dafür sorgen die Handlungsorte wieder für eine schöne Abwechslung. Indien funktioniert als Drehort für mich immer wieder wunderbar, vor allem, da hier vermehrt auf Realismus denn auf Klischees gesetzt wurde. Dass die drei Brüder in einem Zug unterwegs sind sorgt für interessante Bilder und ist als Interpretationsmöglichkeit auch der Geschichte zuträglich.

Auch von „The Darjeeling Limited“ war ich wieder gut unterhalten. Es ist der bisher konventionellste Film von Wes Anderson und hat eine Portion mehr Tragik und Ernsthaftigkeit als die anderen Filme. Aber auch hier bleibt trotz der Un-Märchenhaftigkeit nach dem Abspann ein schönes Gefühl zurück, dass vielleicht nicht nur Anderson mit seinen Filmen vermitteln kann. Er schafft es jedoch bisher bei jedem Versuch auf einem hohen Niveau. Deshalb ist „The Darjeeling Limited“ zwar der bisher „schlechteste“ Film von ihm, aber immer noch sehr gut.
Von mir gibt es 8/10 Punkte.

Gesehen: DVD / englisch

Eckdaten: 2007 / 91 Min / FSK 6
Genre: Komödie / Tragik / Melodrama / Roadtrip
Regie: Wes Anderson

4 Kommentare

  1. Wie cool, du hast auch so jemanden, von dem du irgendwann einmal alle Filme gesehen haben willst! Genauso geht’s mir mit Tim Burton und Johnny Depp (wobei letzteres ziemlich schwer werden wird.)

    1. Oje, das ist mal ein guter Vorsatz. Mit beiden Listen dürfte man so einige Zeit beschäftigt sein. Bei Wes Anderson fehlen mir momentan noch 5 ausgewachsene Filme, das ist etwas übersichtlicher. 🙂

  2. Eine schöne Besprechung und schön dass du dir vorgenommen hast alle Wes Anderson Filme zu sehen.

    Ich bin bei Wes in etwa auf dem gleichen Stand wie du. Hab ihn bei Moonrise Kingdom erst richtig wahrgenommen, weil mich der Film sehr fasziniert hat. Und es war damals meine 2te Rezession überhaupt auf ERGOThek, quasi als ich erst damit anfing Filme kritisch zu hinterfragen. Darum ist er mir besonders im Gedächtnis geblieben.

    The Darjeeling Limited habe ich vor langer Zeit mal gesehen und weiß noch genau, dass ich ihn sehr gut fand, doch ich muss ihn dringend wieder mal gucken. Es könnte sein dass ich ihn heute noch besser finde als damals. Wer war nochmal die nackte Dame am Ende des Films?? Natalie Portman, oder?

    Ich freue mich jedenfalls sehr auf The Grand Budapest Hotel – der Trailer sieht sehr vielversprechend aus.

    1. Die nackte Dame war in der Tat Natalie Portman, kam in „The Darjeeling Limited“ selbst aber gar nicht vor, sondern im Vorfilm „Hotel Chevalier„, den ich wiederum sträflicherweise in meiner Besprechung gar nicht erwähnt habe. Den muss man zwar nicht gesehen haben, um „The Darjeeling Limited“ zu verstehen, dennoch ist er recht unterhaltsam und mit so einigen denkwürdigen Dialogen gespickt.

      „The Grand Budapest Hotel“ steht bei mir auch auf der Besuchsliste. Der Trailer hat jedenfalls schon große Laune darauf gemacht.

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