The Place Beyond the Pines | Film

He’s my son and I should be around him. I wasn’t around my Dad and look at the fuckin‘ way I turned out.
– Luke

Bis auf den Trailer und den DeLorean-Count auf ERGOThek.com habe ich bisher nichts von „The Place Beyond the Pines“ gewusst. Aber bei den Trailerbildern und dem Aufgebot aus Ryan Gosling, Eva Mendes und Bradley Cooper kann ja nichts schief gehen, oder? Kann es leider doch; aber das lag weder an diesen dreien noch an den Bildern.

Luke und Robin haben viel Gesprächsbedarf. | Quelle: "The Place Beyond the Pines" Trailer / Studiocanal
Luke und Robin haben viel Gesprächsbedarf. | Quelle: „The Place Beyond the Pines“ Trailer / Studiocanal

Es beginnt alles so super mit einer fast fünf minütigen Sequenz. Diese kommt ohne einen einzigen Schnitt aus und führt Luke (Ryan Gosling) ein. Der reiselustige Stuntfahrer, der kurz darauf von der Existenz seines Sohnes erfährt und für ihn da sein will, ist anfangs die zentrale Figur. Nur anfangs, denn mit dem Filmverlauf wechselt die Perspektive zweimal und mit ihr sowohl Protagonist als auch gleich das Filmgenre. Ohne zuviel verraten zu wollen sei aber soviel gesagt: neue Personen tauchen nicht auf. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Thematik: In allen Episoden geht es um Vater-Sohn-Verhältnisse.

Die Erzählstruktur hat mir sehr gut gefallen, sie war nicht vollends innovativ, hebt sich aber von mir bekannten Episodenfilmen wie etwa „L.A. Crash„, „Nicotina“ oder „11:14“ ab. Der Handlungsverlauf ist so gewählt, dass ich von dem ersten Schnitt vollkommen überrascht war und den zweiten bei etwaiger Vorhersehbarkeit jedenfalls in der Radikalität so nicht erwartet hätte. Überraschungen sind für mich immer ein Zeichen für eine gutes Drehbuch.

Dass sich solche Zeichen nicht immer bewahrheiten, zeigt der Film jedoch leider vor allem im späteren Verlauf, wo es neben dem zu lang ausgewalzten und zu generischen Ende so einige kleine Schnitzer gibt, die ich Regisseur und Drehbuch(mit)schreiber Derek Cianfrance übel nehme. Das merkwürdige (Fehl)Verhalten von Lukes Counterpart Avery (gespielt von einem tollen Bradley Cooper) beim ersten und entscheidenen Aufeinandertreffen kann man gerade noch verschmerzen, auch wenn es nicht zu Averys später ausgebreiteten Charakter passen mag. Dass aber die Schlüsselszene (Stichwort: Google) nach dem zweiten Schnitt, die schließlich das Finale in Gang setzt, derart realitätsfern umgesetzt wurde, nur damit die finalen Ereignisse forciert werden können, das ärgert mich und hätte viel glaubwürdiger gelöst werden können.

Denn damit macht sich der Film das kaputt, was er bis dahin aufgebaut hatte: „Zwei“ Storys, die packend sind, von den Darstellern überzeugend gefüllt werden, die Thematik ansprechend rüberbringen und die von der dichten Atmosphäre profitieren. Für letzteres sind die Bilder und die Musik verantwortlich. Ich habe generell eine Schwäche für Nachtaufnahmen, besonders in amerikanischen Städten. Vor allem diese Szenen haben mich durch das Spiel mit buntem Licht und der bläulichen Einfärbung gepackt. Dazu ein Soundtrack, der von Bruce Springsteen bis Ennio Moricone alles beinhaltet und in den entsprechenden Szenen die richtigen Emotionen hervorruft. Die Wechsel von durch lange, schnittlose Aufnahmen erzeugter Ruhe und actionreichen Verfolgungsjagden funktionieren perfekt.

Fazit

Es ist wirklich schade um diesen Film. Ich habe mich über jede neue Kamerafahrt hoch über den Waldstraßen gefreut, bin tief in die Atmosphäre eingetaucht und habe insbesondere in den ersten beiden Teilstücken mit den Protagonisten gelitten. Nur um dann von den unstimmigen und konstruierten Schlüsselszenen aus dem Film herausgerissen zu werden und beim zu lang geratenen letzten Teil öfters mal zu seufzen. Nicht aus Empathie den Charakteren gegenüber, sondern aus Frust über die verpassten Chancen.
Von mir gibt es (gerade noch) 7/10 Punkte.

Gesehen: BD / englisch (Studiocanal bzw. Arthaus fängt augenscheinlich auch mit der Unsitte an, englische UT wegzulassen. Grrrr!)
Eckdaten: 2012 / 140 Min / FSK 12
Genre: Drama / (Crime) / (Coming of Age)
Regie: Derek Cianfrance

Andere Meinungen: ERGOThek (4.5/5) / Ziemlich beste Filmkritiken (9/10) / Filmherum (3/5)

2 Kommentare

    1. Über das Ende habe ich auch anderswo nicht immer Gutes gelesen. Die konstruierten Schlüsselszenen wurden jedoch nirgendwo sonst kritisiert. Kann also durchaus auch nur an mir liegen, dass der Film nicht so gut wegkommt. Wenn mir sowas auffällt, dann hat es ein Film schwer, noch gut wegzukommen.

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