The Royal Tenenbaums | Film

All memory of the brilliance of the young Tenenbaums had been erased by two decades of betrayal, failure and disaster.
– Erzähler

Mit Wes Andersons zweitem Film biegt meine Durchsicht seines Gesamtwerks auf die Zielgerade ein. Jetzt fehlt nur noch das Erstlingswerk „Bottle Rocket“ und dann gibt es für mich erst einmal nichts Neues im Bezug auf diesen wunderbaren Filmemacher zu entdecken. Schnüff.
Aber zunächst bleibt mir noch „Bottle Rocket“ zu sehen und über „The Royal Tenenbaums“ zu schreiben. Letzteres mit einem kleinen Stich im Herz, denn es bleibt mir nichts übrig, als Mr. Anderson für dieses Werk ein klitzekleines bisschen zu kritisieren.

Wobei es natürlich Elemente gibt, die wieder wunderbar funktionieren. Von der bildlichen Umsetzung kann man nichts Negatives behaupten. Kamerafahrten, 90-Grad-Schwenks, Zooms, alles ist wie eh und je im Andersonversum und macht zum großen Teil seinen Stil aus. Auch die penible Auswahl an zum szenarischen Farbschema passenden Kostümen und die detailverliebten Szenenarangements sind wie immer ein Fest für’s Auge. Schließlich passt auch der Aufbau als Buchvorlesung bzw. der Einsatz eines Erzählers wunderbar zu dieser Inszenierung. Ein wenig märchenhaft halt.
Und auch die Figurenzeichnung ist abermals abgedreht-sympathisch. Die Familie Tenenbaum sowie Freund und Feind bestehen aus überzeichneten, klar umrissenen Charakteren, die sich durch gelungene Dialoge plappern und sich mehr oder weniger impulsiv in die verrücktesten Situationen manövrieren. Das ist so spaßig wie dramatisch, denn auch „The Royal Tenenbaums“ erzählt, wie jeder nachfolgende Anderson-Film, eine Geschichte von kaputten zwischenmenschlichen Beziehungen, deren tiefere Gründe erst nach und nach offenbart werden.

Allerdings stimmt das mit der einen Geschichte nicht so ganz, denn in der Familie Tenenbaum läuft vieles schief und jedes Familienmitglied hat mit seinen Problemen und verschiedenen Blutsverwandten zu hadern. Das führt zu vielen Geschichtchen. Während es in anderen Filmen von Wes Anderson einen klaren Hauptkonflikt gibt, die Nebenfiguren drumherum jedoch dennoch ausreichend beschäftigt werden, konnte ich hier diese Trennung nicht ausmachen. Die Familie mit ihren fünf Mitgliedern an sich ist der Hauptkonflikt — was der Titel natürlich suggeriert. Das hatte für mich jedoch zur Folge, dass ich mich nicht auf eine Charakterbeziehung konzentrieren konnte und „The Royal Tenenbaums“ daher überladen wirkte. Ich konnte jeder Figur etwas abgewinnen und hatte Spaß mit diesem chaotischen Ensemble, aber die Überfrachtung an zwischenmenschlichen Kriegsschauplätzen hat mir eine stärkere Bindung an das Schicksal eines bestimmten Charakters verwehrt. Wo ich ich bei Sam und Suzys Liebesabenteuer in „Moonrise Kingdom“ oder mit Steve Zissou in „Die Tiefseetaucher“ stärker mitfiebern konnte, bot das tenenbaum’sche Puppenhaus zwar viel Unterhaltung, aber nicht ganz so viel Empathiepotential, wie ich es mir gewünscht hätte.

Fazit

Das ist allerdings Meckern auf sehr hohem Niveau. „The Royal Tenenbaums“ ist trotz des fehlenden Fokus auf eine Haupthandlung ein sehr guter und vergnüglicher Film, der sowohl von den Bildern her als auch inhaltlich überzeugt. Vordergründiger Witz und tieferliegende, in den Charakteren aufgenommene Tragik machen die schöne Mischung von Wes Anderson auch hier aus. Nur mit dem Transport von Gefühlen wollte es diesmal bei mir nicht ganz so sehr klappen.

gesehen: DVD / englisch

Wiederschaupotential: vorhanden

Lieblingscharakter: Eli Cash (Owen Wilson)
Lieblingsszene: Richie trifft Margot wieder.

Eckdaten

Genre: Drama / Komödie
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2001 / 108 Min / FSK 12
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson / Owen Wilson

Andere Meinungen

Der Kinogänger (7/10)

2 Kommentare

  1. Meine Liebe zu Anderson habe ich erst in den Jahren nach diesem Film entwickelt… Müsste ihn also dringend mal wieder sehen, um hier mitreden zu können 🙂

    1. Ich bin überhaupt erst durch „Moonrise Kingdom“ auf ihn aufmerksam gewordne, deshalb gucke ich ihn uach quasi rückwärts durch. Es ist aber schon interessant zu sehen, wie früh er seinen Stil gefunden und durchgezogen hat.

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