The Slap – Nur eine Ohrfeige

Gewalt gegen Kinder. man kann sicher sein, dass dieses Thema hochemotional diskutiert wird. Von „keiner hat das Recht, ein Kind zu schlagen“ bis „hat uns früher auch nicht geschadet“ geht die Argumentation. Wenn eine solche Tat aber erst die wahre Natur der involvierten Erwachsenen offenbart, auch noch andere Gefühle einspielen und das Ganze dann zum Glück nur Fiktion in Form einer Miniserie ist, dann kann man sich über interessante Stunden vor dem TV freuen.

Die Wogen schlagen nach der Ohrfeige hoch | Screenshot aus "The Slap"
Die Wogen schlagen hoch, nachdem zugeschlagen wurde. | Screenshot aus „The Slap“

Eigentlich will Hector, genauer gesagt Hectors Frau, nur seinen 40. Geburtstag bei einem Barbeque in kleinem Kreise feiern. Der bunte Mix aus Freunden und Familie quer durch Nationalitäten und Gesellschaftsschichten birgt von Anfang an Konfliktpotential. Als dann die Kinder anfangen zu spielen und sich eines etwas daneben benimmt, wird mit einer Ohrfeige geantwortet. Die Beteiligten rasten aus, die Party ist geplatzt und das Schicksal nimmt seinen Lauf…

Fortan wird in jeder der gerade mal 8 Folgen einem Charakter gefolgt. Deren Leben sind mal mehr, mal weniger durch den Vorfall beeinflusst, aber immer miteinander verbunden. Gleichzeitig hat jede Person ihre eigenen Probleme, Lebens- oder Sinnkrisen und muss sich gleichzeitig mit den Mitmenschen und deren Problemen befassen. Jeder Lebenslauf wirft für den Zuschauer Fragen auf, lässt ihn sich mit den Charakteren identifizieren und stellt plötzlich Verhaltensweisen in einem anderen Licht dar.

Die Serie hat es jedenfalls bei mir geschafft, dass ich für fast jedem Charakter gleichzeitig Mitgefühl und Antipathie empfunden habe, wobei die Ablehnung anfangs bei jeder deutlich überwog. Man stellt sich zuerst die Frage, warum die Person so gehandelt hat, bis man spätestens in „ihrer“ Episode Hintergründe erfährt, durch die zumindest der Versuch einer Erklärung geschaffen wird. Dann fragt man sich unweigerlich, wie man selbst reagiert hätte. So wirkt diese Serie wie eine Form der Psychoselbstanalyse noch länger nach.

Ganz perfekt ist das Ganze nicht. So werden für manche Charaktere Stereotypen und Klichees bedient, denen es mit ein bisschen phantasievollerer Zeichnung nicht bedurft hätte. Auf der anderen Seite kommt die Serie aus Australien und soll dessen Gesellschaft spiegeln. Da ich noch nie in Down Under war, kann ich nicht beurteilen, ob es diesen Schlag von Mensch dort nicht vielleicht doch öfters gibt.
Große Spannung oder gar Action darf man auch nicht erwarten. Die Freude auf die nächste Episode kommt allein daher, dass man wissen möchte, wie die – allesamt von gut spielenden Schauspielern verkörperten – Charaktere auf die jüngsten Ereignisse reagieren.

Alles in allem ist „The Slap“ ein langes, ruhig und mit passender Musikuntermalung inszeniertes Kammerspiel, das in die Tiefen der Charaktere eintaucht und absolut nichts für Actionliebhaber ist.
Von mir gibt’s 7/10 Punkten.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr davon? Folge mir!

%d Bloggern gefällt das: