The Town (Stadt ohne Gnade) | Film

Mit dem Ben Affleck hat man so seine liebe Not. Den „Daredevil“ hat er mal ordentlich – wenn auch nicht alleine – versemmelt, auch sonst gehört er nicht gerade zu den OSCAR-würdigen Schauspielern. Und dann soll er in Zukunft auch noch den „Batman“ mimen. Glücklicherweise hält er sich nicht allein vor der Kamera auf, sondern hat beispielsweise mit „Argo“ schon ein recht gelungenes Werk als Regisseur abgeliefert. Und „The Town“ wird auch allenthalben als Beweis angeführt, dass der Mann sein Heil lieber im Regiestuhl suchen sollte.

Zwischen Claire und Doug liegt ein schweres Geheimnis. | Quelle: The Town / Warner
Zwischen Claire und Doug liegt ein schweres Geheimnis. | Quelle: The Town / Warner

Und um es gleich vorwegzunehmen: als Regisseur ist Ben Affleck bedeutend besser. Dummerweise übernimmt er in „The Town“ auch gleich die Hauptrolle und fühlt sich als Bankräuber Doug zu der Geisel Claire (Rebecca Hall) hingezogen, ohne dass diese von seinem Beruf wüsste. Das macht seinen Plan, mit seiner Crew ein letztes großes Ding zu drehen, nicht gerade einfacher.

„The Town“ ist ein Thriller, der weit mehr Wert auf die angesprochene Beziehung und damit auf Tragik denn auf Action oder Spannung legt. Ich hatte zwar anfangs noch die Befürchtung, dass sich eine fürchterlich kitschige Liebelei entspinnt. Darum schifft der Film aber zum Glück größtenteils herum, auch wenn die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Claire und Doug an manchen Stellen etwas zu schnulzig wird und auch noch andere Handlungsaspekte auftauchen, die immer die Gefahr bieten, in diese Richtung abzudriften. Insgesamt konnte man aber ein Melodrama basteln, dass Doug in den Mittelpunkt stellt und seinen Kampf mit sich, seiner Vergangenheit und dem „Erbe“ seiner Familie bzw. seines Stadtbezirks recht gelungen zeigt. Wehmütig kann man nur werden, wenn man bedenkt, was man mit einem guten Hauptdarsteller anstatt „1 Gesichtsausdruck“-Ben hätte erreichen können.

Der Krimiaspekt wird vernünftig in die Geschichte eingewoben, indem noch (der etwas blass bleibende) FBI-Ermittler Adam (Jon Hamm) auftritt und die Bande jagt, die ihrerseits wieder Helfer hat, um die Banküberfälle zu begehen. Zu Dougs Komplizen gehört auch sein bester Freund James, verkörpert von Jeremy Renner. Der gefällt mir mit jedem Film besser, in dem ich ihn sehe. Auch hier gibt er dem latent aggressiven und etwas einfachen James wunderbare Gesichtsausdrücke und eine Körpersprache, die für sich spricht.

Von der Inszenierung her ist das alles auch grundsolide. Die Atmospähre im bostoner Bezirk Charlestown wird durch die düsteren und tristen, bläulichen Bilder gut rübergebracht und die Action ist spannend, aber verhältnismäßig realistisch umgesetzt. Von seiner Machart erinnert der Film entfernt an „Heat“, bei dem auch nicht urplötzlich Autos in die Luft fliegen und der mit seinen dunklen Bildern auch ein bedrückendes Szenario bietet. Die Verfolgungsjagden und vor allem die Banküberfalle haben schon ihren Reiz. Einzig mit den Luftaufnahmen hat Affleck es übertrieben, denn man fliegt mit Panoramasicht gefühlt alle 5 Minuten über den Stadtteil.

„The Town“ ist ein grundsolider Thriller mit einem sehr großen Dramateil, der in Sachen Inszenierung und größtenteils auch mit der Geschichte punkten kann. Die Längen und das schlechte Schauspiel von Ben Affleck kann man deshalb oft vergessen. Irgendwann wird der Film im Extended Cut geschaut, der nochmals flockige 30 Minuten länger ist.

Von mir gibt es 7/10 Punkte.

Gesehen: Blu-Ray / englisch

Eckdaten: 2010 / 124 (154 im Extended Cut) Min / FSK 16
Genre: Tragik / Thriller
Regie: Ben Affleck

Ähnliche Filme: Heat

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr davon? Folge mir!

%d Bloggern gefällt das: