The Wire Staffel 1 | Ersteindruck

Ich stehe Episodenbewertungen absolut und Staffelbesprechungen zumindest einigermaßen kritisch gegenüber. Vor allem in den neueren Serien, in denen über Staffeln hinweg eine große Geschichte erzählt wird, ergibt es wenig Sinn, mittendrin oder nur sporadisch mal reinzuschalten. Das Wissen darüber, ob die Staffel vermutlich gut oder schlecht wird, spielt somit nur eine untergeordnete Rolle. Die Bewertung der gesamten Serie finde ich deshalb aussagekräftiger, auch, weil ich meist eine Serie entweder gar nicht erst anfange oder ich dann bis zum (manchmal bitteren) Ende durchhalte. Dennoch will man ja auch schonmal vor dem Serienfinale seine Meinung zu einer Serie kundtun, und wenn es auch nur darum geht, seine ersten Eindrücke festzuhalten, um sie mit dem Gesamtresultat zu vergleichen.
Deshalb gibt es ab jetzt die Kategorie „Ersteindruck“, in der ich (m)einen kurzen Überblick über eine Serie gebe, die ich aber noch nicht zuende gesehen habe. Dabei liegt der Fokus eher auf der Vorstellung und einem kurzen Eindruck, wie ich die Serie nach der ersten Staffel sehe.
Den Anfang macht dabei „The Wire“.
HINWEIS: DIESER BEITRAG IST SPOILERFREI.

Know your enemy. Die Polizei ist mit viel Schreibtischarbeit beschäftigt, was die Serie aber keinesfalls langweilig macht. | Quelle: The Wire DVD / WB
Know your enemy. Die Polizei ist mit viel Schreibtischarbeit beschäftigt, was die Serie aber keinesfalls langweilig macht. | Quelle: The Wire DVD / WB

Und damit hätten wir auch gleich den Prototyp der „eine Geschichte“-Serie bzw. Staffel. Denn in der ersten Staffel von „The Wire“ verfolgt man eine Spezialeinheit der baltimor’schen Polizei bei ihren Ermittlungen gegen ein Drogensyndikat. Dabei werden beide Seiten auf allen Ebenen beleuchtet. Vom Straßenermittler bis zum hohen Tier in der Politik, vom „Scout“ der Drogendealer bis zu den Hintermännern gibt es haufenweise Charaktere, die mit ihrem Job, der Gegenseite und nicht zu knapp auch mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen haben. Es geht auch und vor allem in den eigenen Reihen um Aufstieg und Loyalität.

Der rote Faden sind die Drogenermittlungen, es gibt jedoch einen Haufen Nebenhandlungen, die irgendwie damit zusammenhängen und das ganze immer weiter anwachsen lassen. Dadurch wird die Geschichte teilweise hochkomplex, denn über die Staffellänge gibt es keine episodenweisen Handlungsstränge und man sieht quasi einen Film mit knapp zwölfstündiger Spiellänge.
Die Staffel-Tagline „listen carefully“ darf man deshalb auch wörtlich nehmen. Man muss auch dank der vielen, vielen Charaktere auf beiden Seiten höllisch aufpassen, dass man allem folgen kann. Es wird einem auch längst nicht alles auf dem Silbertablet serviert, sodass man sich – ganz wie die Cops – viel zusammenreimen muss, damit es ein großes Bild ergibt.

Auch die Inszenierung trägt einen großen Teil zum Realismus bei. Action wird nur sehr sporadisch gesät, Dialoge sind allgegenwärtig. Insoweit kann man „The Wire“ mit einem sehr, sehr guten „Tatort“ vergleichen… nur in viel besser. 😉 Das Wirrwarr aus tiefstem Slang, Rumgenuschel und der Verwendung von Nicknames und Codes macht es einem auch nicht gerade einfacher, sorgt aber in der englischen Tonspur für eine großartige Atmosphäre.

Ich saß ob der verwirrenden Entwicklung bei den ersten Episoden einigermaßen ratlos vor dem TV, obwohl mir die Geschichten gefallen haben und das alles sehr realistisch rübergebracht wird. So richtig fesselnd wurde es aber erst, als ich gemerkt habe, dass wirklich jedes Detail wichtig ist oder zumindest sein kann. Deshalb freue ich mich schon auf die folgenden Kapitel in diesem Drama.

Eigenschaften

– sehr anspruchsvolle Story
– realistische Inszenierung
– authentische Darstellung der Polizeiarbeit und des Drogenmilieus
– keine Schwarz-Weiß-Malerei bei den Charakteren
– dialoglastig

Genre: Drama / Krimi
Länge: 13 Episoden à ca. 55 Minuten

2 Kommentare

  1. Klingt auf jeden Fall interessant – nur der Vergleich mit dem „Tatort“ schreckt mich doch erheblich ab, finde ich diese Form des deutschen Krimis doch absolut schnarchig.

    So oder so werde ich demnächst auch in „The Wire“ reinschauen 🙂

    1. Das war auch nur auf die ruhige Inszenierung bezogen und auch dabei ein eher schräger Vergleich. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass man bildlich kein zweites „The Shield“ erwarten darf, wo ein paar Cops die halbe Stadt auseinandernehmen. Es ist alles etwas gemächlich im Bezug auf die Storyentwicklung und vor allem im Bezug auf die Action. Realismus ist hier das Wort zum Sonntag. 🙂

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