Touchdown – Sein Ziel ist der Sieg (Rudy) | Sportfilm

Es gibt Filme, da weiß man selbst nicht so recht, warum sie einen immer wieder packen. Eine recycelte Story, theatralisch inszeniert, klischeehafte Dialoge und ebensolche Charaktere lassen nicht vermuten, dass man es mit einem unterhaltsamen und rührenden Film zu tun haben könnte. Doch genau das ist bei „Rudy“ der Fall.

Dieser Weg wird kein leichter sein. Rudy holt sich nicht nur beim Training ein paar blaue Flecken. | Quelle: Rudy DVD
Dieser Weg wird kein leichter sein. Rudy holt sich nicht nur beim Training ein paar blaue Flecken. | Quelle: Rudy DVD

Denn trotz dessen, dass „Rudy“ alle angesprochenen Punkte beinhaltet und Regisseur David Anspaugh mit diesem Film das uramerikanische Mantra des Strebens nach Glück einmal mehr filmisch aufgewärmt hat, hat er es geschafft, daraus keinen übertrieben kitschigen „Du kannst alles schaffen!“-Brei zu kochen. Dabei lässt das anfangs eingeblendete „Based on a true story“ schon Schlimmes befürchten, denn gerade die außergewöhnlichen Geschichten werden im Film gerne nochmal eine Ecke außergewöhnlicher umschrieben, als sie es in Wahrheit eh schon waren.

Dass das bei „Rudy“ nicht passiert und man bis auf wenige, mit Flöten- und Streichermusik unterlegten Tränendrüsendrückmomenten der Geschichte gespannt folgen kann, liegt vor allem an Hauptdarsteller Sean Astin. Mit seinem kindlich-naiven, aber gleichzeitig entschlossenen Gesichtsausdruck nimmt man ihm tatsächlich ab, dass Rudy Ruettiger trotz seiner mittelprächtigen Noten und seiner unterdimensionalen Statur fest entschlossen ist, eines Tages an der University of Notre Dame zu studieren und vor allem für das Footballteam der Figting Irish zu spielen. Astin übertreibt es nicht mit der Mimik in den für Rudy frustrierenden Szenen, seine Gesichtsausdrücke zeigen die Entschlossenheit genauso gut wie Jahre später in seiner Rolle als Sam Gamgee in „Lord of the Rings„. Das ist toll und bringt die nötige Ruhe in den Film, der ansonsten wohl zu schmalzig geworden wäre. Seine Umwelt nimmt Rudy in seinem Unternehmen natürlich bis zum Schluss nicht ernst, was leider ein wenig zu oft wiederholt und so unterstrichen wird. Vor allem die Familie ist von seinem Scheitern überzeugt. Andererseits freut man sich dadurch bei jedem kleinen Schritt, den er in Richtung Ziel setzt. Und daneben gibt es auch die paar Menschen, die nicht sofort an ihn glauben, dann aber von seinem Tatendrang angesteckt und überzeugt werden. Der Mix ist gut gewählt und lässt die Geschichte, ähnlich wie bei „The Pursuit of Happyness„, einigermaßen neutral verlaufen.

So entwickelt sich ein typischer 90er-Familienfilm ohne bösen Counterpart, dafür mit dem obligatorischen lustigen Sidekick in Form des pummeligen und schüchternen Studienfreundes, für den Rudy die Dates klar machen soll. Die Moral des Glaubes an sich selbst und seine Ziele wird zwar überdeutlich, aber noch unterhalb der Nervgrenze serviert. Das Setting in den späten 1970ern und die Bilder der Original-Schauplätze in Notre Dame sorgen ebenfalls dafür, dass sich schnell eine Wohlfühl-Atmosphäre einstellt. Man kann nachvollziehen, was Rudy an diesem Ort und diesem Team so fasziniert hat, dass er Job und Familie dafür zurücklässt.

FAZIT

Rudy“ gehört zu Recht zu den besseren Sportfilmen. Die bekannte Geschichte und Prämisse wird vor allem von Sean Astin getragen und der Ausgleich zwischen Moralkeule und unterhaltsamen Szenen ist gut gelungen. Herausgekommen ist ein angemessen ernsthafter Familienfilm, den man sich getrost auch als Nicht-Footballfan einmal ansehen kann.

Von mir gibt es 8/10 Punkte.

Der FiFF*

Nachdem es für Rudy nichts Wichtigeres gibt, als für die Fighting Irish zu spielen, ist der Film schon inhaltlich stark auf Football ausgerichtet. In der ersten Hälfte spielen die Footballszenen storybedingt nur eine untergeordnete Rolle und auch später sieht man weniger Spielszenen als vielmehr solche vom Training, in dem Rudy ordentlich auf die Mütze bekommt. Diese Szenen und auch die Spielabschnitte sind jedoch einigermaßen authentisch choreografiert, was man vor allem in den Zeitlupen erkennt. Dafür durfte das Stuntdouble wohl einiges einstecken. Das 70er-Retrodesign von Helmen und sonstiger Ausrüstung sowie die Stadionszenen geben dem Film nochmals einen besonderen Touch.

Gesehen: DVD / englisch
Genre: Sport / Familienfilm
Eckdaten: 1993 / 114 Min / FSK 6 [VHS]
Regie: David Anspaugh

[HiNWEIS: Dieser Beitrag ist wortgleich auf oneeyeview.de erschienen.]

1 Kommentar

  1. Also die Filmmusik gehört hier aber schon mal besonders gelobt. Bitte mal die CD einwerfen und mal genauer hinhören …
    Liebe Grüße
    Bee Sumsi

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