Weihnachtsmenü (9): Ist das Leben nicht schön? (It’s a Wonderful Life) | Film

Strange, isn’t it? Each man’s life touches so many other lives. When he isn’t around he leaves an awful hole, doesn’t he?
– Clarence

Wann, wenn nicht in der Weihnachtszeit, kann man ohne Reue kitschige Filme schauen? Ich mag die Geschichten rund um Weihnachten, die das festliche Fest feste auf die Schippe nehmen ebenso wie jene, die die Besinnlichkeit konterkarieren. Einfache Handlungsbögen, Schneeszenerien, vielleicht noch eine kleine moralische Botschaft und in den allermeinsten Fällen ein Happy End, das macht einen entspannten Weihnachtsfilm für mich aus. Wichtig ist: Am Ende muss etwas positives stehen.

Und in genau diese Kategorie fällt „Ist das Leben nicht schön?“ . 1946 in schwarz-weiß gedreht, in 4:3 und mit Mono-Tonspur auf die Blu-ray gebannt, erfüllt Regisseur Frank Capras nach eigener Aussage liebster seiner Filme schon formal alle Voraussetzungen für ein im besten Sinne klassisches Filmerlebnis, das sich auch in der Geschichte fortsetzt. Man erfährt in einer Rückblende vom bisherigen Leben des Unternehmers George Bailey, der als grundgütiger und lebensfroher junger Mann voller Entdeckungslust ins Leben startet und einige Jahre später am Weihnachtsabend auf einer Brücke steht und beabsichtigt, von derselben alsbald lebensbeendend zu hopsen. Die Entwicklung zu dieser Szene nimmt den größten Teil des Films ein und unterhält dank einer gewissen Spannung, vielmehr aber durch den komödiantischen Anteil ganz hervorragend. Jugendträume, Heirat, böse Widersacher im Geschäftsleben, alles kommt vor.

Natürlich ist die – wenn auch gut geschriebene – Handlung eines Films aus dieser Zeit ziemlich zielstrebig, die Charaktere nicht wirklich grauschattiert und die Botschaft dafür umso offenkundiger. Es wird das idealisierte Familienleben zelebriert und der großherzige kleine Mann ebenso belohnt wie der knausrige Kapitalist am Ende abgestraft. Sieht man den Film im Lichte einer nicht lange zurückliegenden Wirtschaftskrise und eines noch viel kürzer zurückliegenden zweiten Weltkriegs, ist die Aussage, die Capra an den Zuschauer sendet, verständlich und wenig subtil: Freut euch des Lebens und tut Gutes! Das ist im Gegensatz zu Baileys Lebenslauf nicht tragisch, denn wie gesagt: Weihnachtsfilme dürfen soetwas. Bezüglich der Botschaft wandelt der Film in bester Tradition auf den Spuren von Charles Dickens.
Aber „Ist das Leben nicht schön?“ würde auch ohne Weihnachten funktionieren (und streift diese Thematik auch nur im letzten Teil an, was ihm dank Klingglöckchen, Weihnachtsbaum und hufenweise Schnee aber immerhin einen WiFF* von 3,5/10 einbringt), denn in Sachen Komik leisten sowohl Drehbuchautoren als auch Darsteller Großartiges. Gerade Hauptdarsteller James Stewart drückt sowohl durch seinen Charme als auch durch die durchgemachte Wandlung seines Charakters dem Film seinen Stempel auf, aber die Nebendarsteller sind nicht weniger gut besetzt und sorgen durch Mimik und Dialoge für herzhafte Lacher. Damit hat „Ist das Leben nicht schön?“ neben dem tragischen Kern allerhand erheiternde Momente und schafft so zusammen mit seiner Retro-Inszenierung eine ungeheuer wohlige Stimmung, die man sich für Weihnachten vorstellt, meistens wünscht und in dieser Intensität nur in den entsprechenden Filmen wiederfindet (Mr. Griswold, I feel you!). So lässt sich dann auch der sich aus dem Handlungsverlauf ergebnede Kitsch sehr gut ertragen.

Fazit

Mixt man „Die Feuerzangenbowle“ und „Die Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens zusammen und fügt noch einen kleinen Schuss „Wall Street“ hinzu, dann erhält man „Ist das Leben nicht schön?“ . Mir hat dieser im wahrsten Sinne positiv eingestellte Film ausnehmend gut gefallen, er war kurzweilig, komisch und ein bisschen tragisch und wird sich sicher in meine persönliche alljährliche Weihnachtsfilmparade im vorderen Bereich einreihen. Gerade zu dieser Jahreszeit darf man nämlich von einer idealisierten Welt träumen oder in sie eintauchen.

Gesehen: BD / OmU

Wiederschaupotential: garantiert

Lieblingscharakter: George Bailey.
Lieblingsszene: Alle hüpfen in den Pool.

Eckdaten

Genre: Komödie / Tragik
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 1946 / 130 Min / FSK 6
Regie: Frank Capra
Drehbuch: Frances Goodrich / Albert Hackett / Frank Capra

Andere Meinungen

Der Kinogänger (9/10) / Ergothek (4.5/5)

*Weihnachten im Film – Faktor

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