Wie ein Einziger Tag (The Notebook) | Film

Eine Wertung von 8.0/10 in der IMDB hat mich in die Falle gelockt. Es war diesmal nicht mein DVD-Regal, aus dem der Film für den Abend ausgesucht wurde. Die Bessere Hälfte entschied sich für „Wie ein Einziger Tag“ und da ebender ebenjene Wertung hat, gab ich ihm eine Chance; obwohl auf dem Cover schon der klicheetriefende Marketingtrick „Was Frauen Schauen“ prankte.
Nach der Sichtung steht für mich definitiv fest: Ich bin keine Frau.
[Hinweis: Da der Film sowieso keinerlei Überraschung bereihält, enthalten die folgenden Zeilen so einige Spoiler.]

Begossener Pudel. Noah (Ryan Gosling) hat seine liebe Not mit der Frau seiner Träume. | Quelle: "The Notebook" Trailer / New Line Cinema
Begossener Pudel. Noah (Ryan Gosling) hat seine liebe Not mit der Frau seiner Träume. | Quelle: „The Notebook“ Trailer / New Line Cinema

Und ehrlich zweifele ich ob der IMDB-Wertung, die immerhin aus ca. 320.000 Stimmen resultiert, auch ein wenig an mir. Denn ich habe in der letzten Zeit kaum etwas schlechteres gesehen. „Wie ein Einziger Tag“ behandelt die schon so einige Male in Filmrolle verpackte Liebesgeschichte zwischen dem aufregenden, tiefsinnigen, nach Liebe dürstenden Mann und der Herzensdame, welche erst noch an den wahren Spaß im Leben herangeführt werden muss. Ryan Gosling ist für diese Rolle gemacht worden und ryangoslingt sich routiniert durch die Szenen, Rachel McAdams spielt die aus gutem Hause stammende Allie vor allem in den Schlüsselmomenten wenig überzeugend. Ehe die beiden schließlich zusammenfinden, sind so einige Hürden zu überwinden. Und schon dort begeht der Film das erste Missgeschick, indem Drehbuchautor Jeremy Leven (bzw. Vorlageautor Nicolas Sparks) volle Kanne in die Klicheekiste greift und alle nur möglichen Szenarien, die ein fröhliches Zusammenleben von Anfang an verhindern, fein säuberlich nach Checkliste abarbeitet. Missverständnisse, intrigante Blutsverwandte, Klassenunterschiede, ein anderer und völlig gegensätzlicher Mann, nichts bleibt einem erspart. Daraus allein kann man schon den fettesten Kitschkuchen backen, der dann auch noch mit filmischen Mitteln – beispielhaft sei nur der obligatorische Turning-Point nach einer Bootsfahrt im Regen genannt, bei dem die wahren, für den Zuschauer längst deutlichen Gefühle aus beiden Protagonisten herausbrechen – garniert wird.

Das allein wäre noch nicht schlimm. „Forrest Gump“ macht perfekt vor, dass auch eine Zusammen-nicht-zusammen-Liebesgeschichte mit (gewissermaßen einem) Happy End enden und dennoch schön, überzeugend und emotional sein kann. „Wie ein Einziger Tag“ scheitert aber grandios an letzterem, was fatal für einen Liebesfilm ist. Dank der spannungslosen, nach Schema abgearbeiteten Geschichte habe ich nicht ein einziges Mal mit einem der beiden Protagonisten mitfühlen, mich für sie freuen oder für beide hoffen können. Hoffen schonmal gar nicht, denn wie der Film ausgeht und was es mit der Rahmenhandlung auf sich hat, in der ein „fremder“ Mann einer älteren, an Alzheimer erkrankten Dame eben diese Geschichte vorliest, erkennt man in den ersten paar Minuten; und wenn nicht, wird es einem zwischendurch überdeutlich ins Gesicht geschlagen. Die Geschichte ist zwar ganz nett und hätte den Film vielleicht in eine positivere Richtung schieben können, wenn man mehr Wert auf sie gelegt und sie nicht als zweckmäßigen Füllstoff genommen hätte. Hat man aber nicht.

Dass einige Zuschauer bzw. Leser ihre Probleme mit der Empathie haben könnten, haben wohl auch die Verantwortlichen erkannt, die dann mit unmotiviert eingearbeiteten Tränendrüsentriggern inklusive Tod des Vaters und des besten Freundes im zweiten Weltkrieg in die Emotions-Trickkiste gegriffen haben. Besagter Freund hatte zuvor vielleicht zwei relativ unbedeutende Szenen in der Handlung und sein Tod spielte auch danach keine Rolle mehr. Die Szene war dennoch vorhanden. Warum? Bei solchen Maschen fühle ich mich als Zuschauer verscheißert. Wenn dann auch noch der triefende Score zur rechten Zeit einsetzt, hat mich ein Film auch vor dem schlechten Ende schon vollkommen verloren.

Wo keine Spannung und keine Emotion, da muss man etwas anderes Interessantes bieten. Das aber tut „Wie ein einziger Tag“ nicht, mal abgesehen vom Setting in den 1940er-Südstaaten und der damit verbundenen schönen Ausstattung (Sorry für’s Klichee, aber: Diese Autos!). Und das ist vermutlich der Punkt, der den Film für mich so langweilig macht. Besagter „Forrest Gump“ hält für den Hauptcharakter eine außergewöhnliche Lebensgeschichte parat, selbes gilt – für mich nicht überzeugend – auch für „Der seltsame Fall des Benjamin Button„. Ebenso kann „Big Fish„, wenn auch kein dedizierter Liebesfilm in dem Sinne, damit trumpfen. „Wie ein Einziger Tag“ jedoch schaut nicht links und rechts, sondern versucht es allein auf der Liebesschiene mit schon oft wiedergekäuten Zutaten.

Fazit

Ich kann akzeptieren, dass reine Liebesgeschichten ihre Fanbasis haben. Ich kann aber überhaupt nicht verstehen, wie dieser Film ein Erfolg werden konnte. Ein schlechtes und vorhersehbares Drehbuch, Standard-Charaktere und filmische Mittel, die selbst für die dümmste Satire zu klischeehaft sind, lassen „Wie ein Einziger Tag“ zu einem vollkommen belanglosen und emotionsleeren Film werden, den auch die ordentliche Ausstattung, schöne Bilder und die paar unterhaltsamen Szenen zwischen den Hauptdarstellern nicht retten können. Lieber schaue ich mir das x-te mal Forrests Jagd nach Jenny an, als solch einen Murks nochmal zu ertragen.

Von mir gibt’s 2.5/10 Punkte.

Gesehen: DVD / englisch
Genre: Liebesfilm / Drama
Eckdaten: 2004 / 123 Min / FSK 0
Regie: Nick Cassavetes

2 Kommentare

    1. Ebendiese Epik hat für mich vollkommen gefehlt. Das war erkennbar gewollt, aber absolut nicht gut umgesetzt, weil Lebensabschnitte in halbminüten Szenen abgewickelt wurden und ansonsten nichts passiert ist. Und wegen des vermurksten Filmhandwerks hat der Herzschmerz nicht ansatzweise zünden wollen. Dann doch lieber wieder „Gone with the Wind“ 🙂

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