Winter’s Bone |Film

Zwischen New York City im Osten und Los Angeles im Westen bieten die USA eine Menge Platz zum Leben. Existiert dort überall die Möglichkeit, den amerikanischen Traum zu leben? Jedenfalls nicht in Süd Missouri, wenn man dem 2010 erschienenen Film „Winter’s Bone“ glauben mag.

Ree (Jennifer Lawrence) und ihre Geschwister warten darauf, dass das Mittagessen vorbeihopst | Screenshot Winter's Bone BluRay / Ascot Elite
Ree (Jennifer Lawrence) und ihre Geschwister warten darauf, dass das Mittagessen vorbeihopst | Screenshot Winter’s Bone BluRay / Ascot Elite

Dort lebt die 17 jährige Ree (Jennifer Lawrence) zusammen mit ihren kleinen Geschwistern und der kranken Mutter und ist damit beschäftigt, das wenige Geld richtig zu nutzen, um die Familie am Leben zu erhalten. Der Erzeuger hat sich mit Drogengeschäften über Wasser gehalten, ist nach einer Verhaftung aber spurlos verschwunden. Das Haus der Familie hat er dabei als Sicherheitsleistung bei einem Kautionssteller eingetragen. Deshalb macht sich Ree auf die Suche nach ihrem Vater, damit die drohende Obdachlosigkeit abgewendet werden kann…

Die in ruhigen Bildern gezeigte Geschichte fängt gut an, tritt mit fortschreitender Filmlänge aber immer mehr in den Hintergrund und gerät damit dann fast zur Nebensache. Der Fokus liegt dann eindeutig auf den menschlichen Schicksalen, die man mit Ree kennen lernt. Dazu bietet das Setting eine großartige Grundlage. Die Gegend in den Ozarks ist weder mit Menschen noch mit Reichtum überschwemmt. Drogen sind allgegenwärtig, sei es als Konsumgut oder Lebensgrundlage. Die ganz überwiegend weiße Bevölkerung lebt weit verstreut und hat größtenteils die Hoffnung auf ein angenehmes Leben aufgegeben.

Im Mittelpunkt steht dabei das Hoffen und Bangen Rees, die trotz Rückschlägen und mitarbeitsunwilligen Bekannten keine Anstalten macht, ihre Suche aufzugeben. Mit der positive Kern der gezeigten Bevölkerungsschicht herausgehoben. So formt sich eine an eine Dokumentation anmutende Darstellung des White Trash Milieus, die dankenswerter weise auf Bloßstellung und Übertreibung verzichtet, sondern die Menschen als das darstellt, was sie sind: Vom Leben gebeutelt, misstrauisch gegenüber Fremden und immer auf der Suche nach dem nächsten Nahrungsmittel. Dass dabei dann auch mal das Eichhörnchen aus dem Wald herhalten muss, scheint kaum jemandem etwas auszumachen.

Dieses White Trash Milieu wird teilweise vom starken Schauspielerensemble (Jennifer Lawrence, John Hawkes) getragen, teils aber auch von Laiendarstellern. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch sondern trägt eher dazu bei, den dokumentarischen Charakter zu verstärken. Wirklich schlecht spielt niemand von denen.

Ein eigener Hauptdarsteller ist die Landschaft. In bläulich-grauen Bildern und oft mit Wackelkamera fotografiert, ist die Gegend mit ihren Wäldern, matschigen Straßen und verwahrlosten Häusern derart trostlos und hässlich, dass sie die Geschichte gut unterstützt. Man muss sich öfters in Erinnerung rufen, dass das (bis auf die Blaufärbung) eine reale Darstellung ist und es sich nicht um eine postapokalyptische Zukunft handelt.

Natürlich ist nicht alles Gold im Staate Missouri: Technisch wirkt der Film an wenigen Stellen etwas zu verspielt und gewollt künstlerisch. Die eh nicht mit einem großen Spannungsbogen gesegnete Geschichte verliert an Spannung zugunsten der Charakterdarstellung und das Schauspiel wirkt manchmal etwas hölzern.

Wer sich damit arrangieren kann und einruhig erzähltes Sozialdrama mit schwerer Kost verträgt, kann sich den Film auf jeden Fall anschauen.

Von mir gibt’s 7/10 Punkten.

Aber, liebes Ascot Elite: Ihr habt es bei „Red Dog“ nicht gemacht, ihr habt es hier nicht gemacht und ihr werdet es vermutlich auch bei „The Guard“ nicht gemacht haben. Warum spendiert man BluRays von Filmen, in denen fiese Dialekte gesprochen werden, nicht ein paar englische Untertitel?!

4 Kommentare

  1. Ja, sehe ich ähnlich, wenngleich ich letztendlich doch einen Punkt mehr vergeben habe. Über die fehlenden Untertitel habe ich mich auch geärgert. Woran es liegt ist aber wohl leider recht simpel: Lizenzgebühren für den englischen Untertitel-Track. Leider.

    1. Das mit den Lizenzgebühren ist auch meine Vermutung. Trotzdem dämlich, gerade bei Filmen wie Winter’s Bone, die ein bisschen auf Doku machen wollen. Synchronisation geht da meistens schief und die Atmosphäre flöten.

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