World War Z | Film

Es war mal wieder Zeit für einen Blockbuster. Diesmal mit Zombies. Die haben ja gerade in letzter Zeit vor allem durch die Serie „The Walking Dead“ ihre Auferstehung feiern können. 2013 kam mit „World War Z“ der bis heute teuerste Versuch auf die Welt, die Untoten auf die Leinwand zu bringen. Und dann gleich noch in Form einer Buchverfilmung.

Ein Zombie kommt selten allein. Hier ist es deren Schnelligkeit und die schiere Masse, die den Grusel ausmacht. | Quelle: "World War Z" Trailer / Paramount
Ein Zombie kommt selten allein. Hier ist es deren Schnelligkeit und die schiere Masse, die den Grusel ausmacht. | Quelle: „World War Z“ Trailer / Paramount

Normalerweise konzentrieren sich Zombiegeschichten auf das Schicksal einier weniger Menschen, die sich der Gefahr ausgesetzt sehen, von den Untoten gemampft zu werden und so irgendwie flüchten müssen. Der Titel verrät, dass „World War Z“ das Ganze globaler angeht und diese Einzelschicksale kaum beleuchtet. Stattdessen wird der Fokus auf die Pandemie selbst gelegt und nur ein Mensch steht im Mittelpunkt. UN-Mitarbeiter Garry Lane (Brad Pitt) macht sich auf die Suche nach „Patient Zero“, um durch Forschung ein Gegenmittel zu finden und die restlichen Menschen auf der Welt zu retten…

Ganz Bond-like bringt Lane die Hatz an verschiedene Orte auf der Welt und hier merkt man dem Film sein 200 Mio.-Budget schon an. In tollen Bildern treibt es den Hauptdarsteller nach Südkorea, Israel und Großbritannien und überhall trifft er auf Zombies. Selbige sind von der schnellen Sorte und für mich ungleich gruseliger als ihre debil dahinschlurfenden Artgenossen. Das Tempo der nicht sparsam eingesetzten Actionszenen ist dementsprechend hoch und hier kann der Film zumeist auch gut unterhalten, auch wenn die CGI-Zombiemassen in einigen Szenen zu sehr nach Computerbild stanken. Mein Puls stieg auch bei den kleinen Schleicheinlagen in (natürlich) dunklen Gebäuden immer wieder an, ohne dass die ganz großen Schockmomente kamen. Als reiner Actionfilm funktioniert „World War Z“ jedenfalls im hier gesehenen Extended Cut also im Grunde.

Nur: Das war es dann auch schon. Denn in Sachen Story ist der Film vor allem eines: ziemlich blutleer. Lässt man die zweckmäßige Familiengeschichte mal außen vor, so tut der Hauptcharakter – Brad Pitt bietet hier auch längst nicht sein gesamtes Können auf – im gesamten Film immer dasselbe: zu einem Punkt reisen, kurze Gespräche führen und dann vor Zombies flüchten. Eine Entwicklung macht er nicht durch und seine Mitkämpfer bleiben genauso blass. Einzig im Mittelteil in Israel kommt sowas wie ein moralischer und politischer Kontext auf, ansonsten beherrscht die Action das Bild. Hier hätte man mit der anderen Sicht auf den Seuchenausbruch dem Subgenre einen neuen Punkt hinzufügen können, hat diese Chance aber zugunsten altbekannter Zutaten und letztendlich der Kinokasse nicht gewagt.
Und auch mit dem Ende konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Die Lösung an sich war akzeptabel, aber schon die Wegfindung Lanes dorthin empfand ich als unglaubwürdig. Und zu allem Überfluss hat man sich alle Wege für eine Fortsetzung offen gehalten.

Im Vergleich zum Buch…

Ich frage mich ernsthaft, was Max Brooks für die Filmrechte erhalten hat. Das musste eine ordentliche Ratio gewesen sein, denn bis auf den Titel und kleinere Ideeschnipsel hat der Film gar nichts mit der tollen Vorlage zu tun. Auch dort gibt es Dialoge und Zombieaction, aber die vielen kleinen Episoden ergeben zusammen so viel mehr Inhalt und Sinn, die der Film nicht ansatzweise bietet. Dort erhält man tatsächlich einen globalen Blick auf den Zombiekrieg, hier sind es allenfalls kleine, unzusammenhängende Episödchen. Dass man das Buch nicht 1:1 verfilmen konnte liegt mangels Hauptdarsteller auf der Hand. Dann hätte man sich jedoch lieber gleich einen komplett eigenständigen Film zusammenschreiben sollen, anstatt einen guten Namen für eine Trittbrettfahrt zu missbrauchen.

Fazit

World War Z“ hat als Actionfilm im Zombiekostüm seine unterhaltsamen Momente und anständige Actionsequenzen, leidet jedoch vor allem an der seichten Handlung, nicht vorhandenen Charakterentwicklung und der im Verlauf zunehmenden Unglaubwürdigkeit. Gerade im Vergleich zur Vorlage, die dem Genre Neues hinzufügte, ist das sehr schade. Für den Film lohnt sich das auferstehen nur bedingt.

Von mir gibt’s 6/10 Punkte.

Gesehen: Extended Cut / BD / englisch
Genre: Zombie / Action
Eckdaten: 2013 / 116 (Extended Cut: 123) Min / FSK 16
Regie: Marc Forster

Andere Meinungen: der Kinogänger (7/10), Ergothek (3/5), Medienjournal (7/10), Tonight Is Gonna Be A Large One (7/10), Xanders Blog (6/10)

2 Kommentare

  1. Ich fand ihn etwas besser, aber letztendlich bietet er eben Zombie-Action. Passt für mich. Der fehlende Bezug zum Buch ist natürlich ärgerlich bis faszinierend, denn da hätte letztendlich jeder Titel draufstehen können.

    1. Ich kann mir auch nicht erklären, warum man dann für die Rechte Geld ausgibt. Andererseits habe ich auch schon bei einem Film gehört – ich meine, dass es Gilliams „12 Monkeys“ war -, dass dort für eine 2-3 sekündige Sequenz eine komplette Remake-Lizenz für einen Film ausgegeben wurde.

      Und der fertige „World War Z“ soll ja nicht die einzige Version gewesen sein. Zu lesen war, dass schon ein fertiges Skript für einen Film existierte, der sich viel näher am Buch halten soll. Dann kam vermutlich die Marketingabteilung und der Rest ist bekannt…

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